Berufliche Um- und Neuorientierung: Was Sie wissen sollten

Sie überlegen: Das kann doch beruflich nicht alles gewesen sein?

Sie spielen mit dem Gedanken, beruflich etwas ganz anderes zu machen. Der Wunsch, noch einmal eine Neubestimmung vorzunehmen, ist nach einigen Jahren im Berufsleben weit verbreitet. In Amerika ist es vielfach üblich, noch einmal nach einigen Berufsjahren (mid-career) neu anzufangen.

Sie wissen noch nicht, was Ihre berufliche Alternative sein könnte?

Sie können zu Beginn noch nicht wissen, wie ihre berufliche Zukunft aussehen wird. Um wählen zu können, sollten Sie Neues kennen lernen und ausprobieren. Wenn Sie sich zu einer beruflichen Neuorientierung entscheiden, begeben Sie sich auf eine interessante und aufregende Reise, bei der Sie als ganze Person gefordert sind. Meine These lautet: Berufliche Neuorientierung bedingt auch immer einen persönlichen Entwicklungsprozess, an dessen Ende eine neue berufliche Identität steht, eine, die zu Ihnen passt.

Sie sind gekündigt worden, eine Kündigung droht bzw. für Ihren Beruf gibt es wenig Perspektiven?

Diese Situation kann eine wirkliche Chance sein. Sie zu nutzen, fällt verständlicherweise manchem – vielleicht auch Ihnen – schwer, obwohl Sie wollen. Kündigung oder Perspektivlosigkeit gibt den meisten das Gefühl, „überflüssig“ zu sein: „Ich bin draußen.“ Unabhängig von Position und Funktion wird dieser Zustand meist als kränkend empfunden. Weitere Verletzungen durch Vorgesetzte und Mitarbeiter wirken ebenfalls fort. Auch wenn Sie denken, „Ich bin doch vernünftig, man kann sowieso nichts ändern“, sollten Sie Ihre Gefühle und Wahrnehmungen ernst nehmen. Ansonsten, wundern Sie sich nicht, dass Sie trotz allen Wollens auf der Stelle treten.

Sie sind schon auf dem Weg, kommen aber nicht weiter?

Auch das ist normal. Berufliche Neuorientierung verläuft nie linear. Auf der Stelle treten ist meist ein Zeichen dafür, dass eine Blockade vorhanden ist. Dies kann bedeuten, dass alte Kränkungen nachwirken oder dass familiäre Regeln und Loyalitäten den Blick versperren. Dies ist immer an der konkreten Situation zu überprüfen.

Im Detail

Was Sie wissen sollten

„Ich bin das, was ich tue.“

Bei einer beruflichen Neuorientierung trennen wir uns von der alten Berufsidentität, um über verschiedene Schritte eine neue Tätigkeit zu (er-)finden, mit der wir uns wiederum identifizieren können: „Ich bin das, was ich tue“. Wir sagen: Ich bin Banker, Juristin, Kauffrau, Arzt, Sozialarbeiter oder Offizier. Wir drücken damit aus, dass der Beruf zu uns gehört. Die kurz beschriebenen psychologischen Mechanismen gelten bei allen grundsätzlichen (beruflichen) Veränderungen, die auch die Person betreffen.

Was geschieht bei einer beruflichen Neuorientierung?

Sie wissen vermutlich: Die berufliche Tätigkeit ist für viele von uns Teil der eigenen Identität. Grundlegende Veränderungen erfordern daher immer diverse Anpassungs- und Entwicklungsprozesse.

Eine grundlegende berufliche Neu- bzw. Umorientierung ist in der Anforderung etwa mit solch bekannten Ereignissen wie Heirat, Kind bekommen, Trennung, Pensionierung, Umzug in eine fremde Stadt oder dem Tod eines Angehörigen vergleichbar. Häufig sind mit diesen „kritischen Lebensereignissen“ starke Gefühle verbunden, die von Verunsicherung, Abwehr, Aufregung und Depression bis hin zu Freude, Euphorie und Hoffnung reichen.

Gemeinsam ist diesen Ereignissen: Wir wissen nicht, was auf uns zukommt. Oft „funktioniert“ das vorhandene Verhaltensrepertoire nicht mehr, Neues ist noch nicht entwickelt, die Situation ist zunächst labil. Eben solche Herausforderungen ermöglichen neues Lernen und persönliches Wachstum.

Grundlegende Veränderungen hinsichtlich einer Aufgabe, hinsichtlich des Status oder des Ortes bedürfen diverser Anpassungsprozesse.

Erst recht trifft dies auf eine berufliche Neuorientierung zu. Diese erfordert immer auch einen persönlichen Entwicklungsprozess. Ein solcher Entwicklungsprozess kann zwar gefördert, aber nicht durch eigenen Beschluss oder rationale Erkenntnis herbeigeführt werden.

Die Fähigkeit, Schnelligkeit und die Bereitschaft, diese Anpassungsprozesse vollziehen zu können, sind abhängig von der persönlichen Lerngeschichte und Berufsbiographie sowie von den materiellen und individuellen Ressourcen. Entscheidend ist, ob man selbst etwas als machbar oder nicht machbar einschätzt. Natürlich macht es auch einen Unterschied, ob man sich selbst als steuernd erlebt oder als fremd bestimmt bzw. als Opfer.

Um dies unterscheiden, analysieren und auch bei Blockaden gut begleiten zu können, ist es ausgesprochen hilfreich, auch über ein spezielles psychotherapeutisches Know-how zu verfügen. Aufbauend auf meiner psychologischen und psychotherapeutischen Erfahrung habe ich für diese spezielle Arbeit ein Fünf-Phasen-Modell für die berufliche Neu- und Umorientierung entwickelt.

Wie kommt es, dass Menschen an Situationen festhalten, obwohl sie eigentlich darunter leiden?

Vielfach halten die Betreffenden aus, weil:

  • das Bekannte vertraut ist und Veränderungen auch immer verunsichern oder Angst machen,
  • sie gekränkt sind und mit Beharrungsvermögen darauf reagieren („Denen zeige ich es!“),
  • es subjektiv für sie feste Vorstellungen darüber gibt, wie etwas zu sein hat und was möglich ist. Anderes wird nicht gesehen oder erscheint ihnen als nicht realisierbar,
  • Realitäten verkannt werden („Es kann nicht sein, was nicht sein darf“)
In jeder Phase sind bestimmte Aufgaben zu leisten.

Sowohl die Handlungsebene (Was ist jetzt zu tun?) als auch die Selbstkonzeptebene (Was ist mein Eigenes, mit welchem persönlichen Thema muss ich mich jetzt auseinandersetzen?) werden dabei berücksichtigt.

Es gilt z.B., sich von manch Vertrautem zu trennen, Überzeugungen zu überprüfen, neue Ecken der Welt zu entdecken. Es kommt darauf an, das Eigene zu finden und natürlich eine zu Ihnen passende Tätigkeit zu entwickeln, zu (er-) finden, mit der Sie auf dem Markt bestehen können.

Selbstbestimmt den eigenen beruflichen Weg gehen.

Sie lernen in diesem Prozess, sich von den Erwartungen anderer frei zu machen und sich zu trauen, ihr Eigenes wahrzunehmen, zu Ihren Wünschen und damit zu sich selbst zu stehen. Dies ermöglicht es Ihnen, Ihren eigenen beruflichen Weg zu gehen.

Gerne begleite ich Sie dabei.